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nachlese zur 4. biennale berlin sommer 2006
lomos von daniel diemers textfragmente von leone devetka nachwort / posfácio von rolf rauschenbach
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(1) Ich
träumte ich war gefangen
mit
Dir in
einem gelb schimmernden Käfig aus russischem Bernstein Der
Lärm der Welt ein
ständiges Schlagen und Pochen von
draußen dringt kaum ein Laut mehr zu
uns Du
weinst mit offenen Augen und
doch gibt es nichts was
ich sagen könnte um
Dir zu helfen deinen
Schmerz zu lindern jetzt
Bruce
Naumann, Rats and Bats (Learned Helplessness in Rats II), 1988 (KW) Ein Kubus aus Glas mit eingebautem Labyrinth, ein Projektor der immer gleiche Szenen an die Wand wirft: ein Mann schlägt mit einem Knüppel auf einen Sandsack ein. Wo ist die Ratte? |
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(2) Bildersturm Stürmt
die Bilder! Allez, à la riposte! Links,
Rechts, alle in Reih´ und Glied Das
Bajonnet satt aufgepflanzt, der Schnauz spitz gewixt Und
die Kavallerie reitet mit munterem Wiehern voraus So
etwas habe ich doch schon mal irgendwo gesehen Irgendwie
drehen wir uns nur im Kreis Ich
erzähle Dir genau dasselbe Was
Du mir gestern schon gesagt hast Das
Pendel zwischen uns hat seinen Schwung verloren und Deine Botschaft verliert sich im viel zu großen Raum
Michael Schmidt, EIN-HEIT, 1991-1994
(KW) Ein raumfüllende Anreihung von Schwarz-Weiss-Bilder, fein säuberlich aufgehängt, profane Alltagsmotive, ab und zu bleibt das Auge hängen, doch mehr als ein dekorativer Effekt wird hier nicht erzielt |
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(3) Dirty
old vampire You´re
sucking the blood out of my veins I´m
feeling weak, pale fragile,
bloodless In
your cities, I´m just
a moving ghost in
an empty shell go away, release me from your spell
Thomas
Schütte, The Capacity Men, 2005 (KW) Furchterregende Gestalten, Graf Dracula lässt grüssen, türmen sich im Raum auf, mit Steppdecken eingehüllt, die Finger bedrohlich lang, man schaut zu ihnen herauf, war das ein Augenzwinkern?
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(4) Einakter
ohne Bühnenbild R
– Das Reh W
– Der Wolf R:
“Böser Wolf, was schaust Du mich so an?” W:
“Du mein süßes Rehlein, hübsch siehst Du aus! Möcht´ Dich gern
vernaschen” R:
“Hier? Jetzt gleich?” W:
“Komm! Zier Dich nicht. Es ist sonst niemand da.” R:
“Es ist alles so weiß … wo sind wir hier?” W:
“Was spielt das für eine Rolle? Nur Du und Ich!” R:
“Ich ertrage es nicht! Warum frisst Du mich nicht?“ R:
„Mach´s schnell! Komm, nimm mich! Ich kann Dir sowieso nicht
entfliehen.“ W: “Ach mein Rehlein! Mag nicht! Kann nicht! Die haben mich noch eben mit 3 Stopfgänsen gemästet. Hast noch mal Glück gehabt… Später vielleicht. Bleib hier, bleib bei mir. Es ist so schön zu zweit!”
Mircea Cantor, Departure, 2004 (KW) Der Wolf und das Reh, eingesperrt im weißen Studioraum, genug zu essen, zumindest für den Einen, aber wohl nicht hungrig, die Spannung hängt in der Luft, nichts passiert |
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(5) Vor
meinen Augen schwirrts,
flimmerts, zitterts Die
Buchstaben tanzen im grauen Licht Ich
möchte mich fallen lassen aus
dem Alltag hinaus endlos
fallen mit
Dir
Dean
Sameshima (Gallery Peres Project) Numbered dots on white canvas, man möchte einen permanent Stift und die Punkte verbinden, was stellt es wohl dar, ein Porno-still, raunt mir einer zu, zwei muskulöse Männer tun es, gebt mir den Stift! |
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(6) Er
sass da 6
Jahre lang Und
baute sich seine Welt Aus
kleinen grauen Kartonecken Es
ist doch alles da Wieso
noch suchen? Die
Zufriedenheit setzte ihm ein Lächeln in´s Gesicht Noch
eines baue ich, dann ist Schluss Ein
Hotel vielleicht, eine Tankstelle mit
grünen Jalousinen, anschreiben werde ich´s auch Damit´s
jeder weiss, falls
dann mal einer kommt in
meine Welt allein nur für mich
Oliver Croy mit Oliver Elser,
Sondermodelle. Die 387 Häuser des Peter Fritz, Versicherungsbeamter
aus Wien, 2000 (KW) Akribie als Vermächtnis, da hat einer, nennen wir ihn mal Peter Fritz, 387 leibhaftige Miniaturhäuschen gebastelt, aus Karton, angemalt, soviel Liebe für´s Detail, soviel Liebe für ein paar miefige fetzen Karton, war da sonst niemand? |
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(7) Hoch
die Tassen Auf
die Liebe Auf
das Leben Auf
die Gesundheit Wo
man ordentlich trinkt, da lass Dich nieder Denn
das Leben ist zu kurz um fusligen Branntwein zu trinken Noch
einen auf´s Haus, auf die fesche Marie, dann geh ich heim Dann,
gestern, auf der Parkbank: He-Ho!
Hallo! Nur
noch einen Schluck! Hey, Du A******, Gib mir mein Leben zurück
Gillian Wearing, Drunk, 1999 (KW) Besoffen sein, an sich ein schöner Zustand, außer in der grellen Studioatmosphäre, wenn die Kamera Dich unerbittlich in´s Visier nimmt, jämmerlicher Mensch, Du, so siehst Du also aus |
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(8) Vielleicht
doch nur heiße Luft die
an der Decke stinkt Bis
da einer rülpst und sagt „Die
moderne Kunst ist
wie ein feuchter Furz der
von der Meeresbrise davon
geweht wird“ Ich
rieche nichts! Ist da was?
Assume
Vivid Astro Focus AVAF, Sodomy is not a civil right, 2005 (Gallery
Peres Project) Weiße und schwarze Ballone an der Decke, wie lange hält wohl die Luft?, ein Manifest gegen die Sodomie, was auch immer damit gemeint sein soll, Hauptsache kontrovers, irgendwann geht auch hier die Puste aus |
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(9) Triste,
tu me regardes avec tes yeux douces Ils
sont clairs, gris et verts – Oui, je me souviens ! Deux
petits lacs pures en haut des montagnes Deux
pièces précieux du Tourmaline de Brésil (Excerpt from „Snešana ou le poids du monde“)
Assume
Vivid Astro Focus AVAF, Neon sculpture (Gallery Peres Project) Es war einmal ein wunderschönes Cyborg, es lebte in Chiba City und freute sich an grauen Himmeln, denn seine Augen sahen einen Regenbogen, da kam ein Künstler, riss das eine Auge aus und hängte es an eine Wand |
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(10) Adventurous
girl You
hurt your knee There,
on the banana boat Remember? When
the sun was out And
the waves whispered our names And the wind carried us away
Amie
Dickie, Private Property, 2006 (Gallery Peres Project) Ein Frauenbein in Gips gegossen ruht auf einem schwarzen Tisch, wo ist die Frau zum Gips, kann sie wieder laufen? Man sagt sie sei mit dem Banana-Boat über die Wellen gerauscht und dabei schrecklich gestürzt, gute Besserung! |
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Thanks
must go out to: Angelika Hunziker, the welcoming staff at
Fabrik@Kreuzberg, the Lomographic Society in Vienna and all fellow
artists of the 2006 Biennale in Berlin Greetings in random order: Anna Roldán, Heinrich Hugenschmidt, Annette Amberg, Joanne Frisch, Queli Jonas Garcia, Borjana Kalitzin, Gerwald Roggenschaub, Luka A. Zupan, Peter Gross, Andreas Arni, Hendrik Budliger, Claudia Güdel, Tom Keller, Katja Habazin, Bernardo Tribolet, Adrian Baumann, Claude Hidber, Luiz Fernando Viotti-Fernandez, Aya Shimoda, Kevin Ellis, Elena Holzheu, Morena Buser, Oliver Zenklusen and all at Station 21, Reto Baumgartner, Marco Garcia and the etoy gang … etc. |
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of
this booklet 60
numbered and handsigned copies have been printed on 120g grey
paper and semi-transparent folio ©
2006 – all rights reserved by the authors
daniel
diemers, ackerstrasse 44, 8005 zurich, suisse daniel@diemers.net
– http://www.diemers.net Leonie Devetka: ldevetka@gmx.net Rolf Rauschenbach
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